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Sonntag, 31. März 2013

Treffen mit den KorsiSisters


Hallo ihr Lieben,

wie ihr wahrscheinlich wisst, sind Natalia und ich inzwischen unzertrennliche KorsiSisters. Da sie die Gründerin einer Facebook-Skoliose-Gruppe ist, haben wir es immer wieder mit Jugendlichen zu tun, die ebenfalls betroffen sind. Wir durften bereits einige von euch persönlich kennenlernen, die auf Klassenfahrt nach Berlin gekommen sind oder hier wohnen. Wir sind immer offen und freuen uns, neue Leute zu treffen.

Also falls DU zwischen 13-18 Jahren alt bist, mit Skoliose und Korsett zu kämpfen hast/hattest und dich einfach mal mit anderen Betroffenen in "Real life" austauschen willst, melde dich bei uns unter korsisis@web.de oder kommentiere hier mit deinem (Facebook-) Namen, Alter und E-Mail-Adresse. 
Unsere Treffpunkte sind Berlin und Potsdam.


Wir freuen uns auf euch!
Hannah & Nati


Unsere Skolitreffs...

- ... mit MARAH & LISA: hier
- ... mit ISABELLE:  hier


Lisa und Marah blieben für ein Wochenende... 
Isabelle trafen wir während ihrer Klassenfahrt...
... Svenja ebenso



Mittwoch, 20. März 2013

Ein neues Korsett und ein Jahr älter


Hallo ihr Lieben,

nach laaanger Zeit gibt's heute mal wieder einen neuen Post. Und einiges zu erzählen. Als erstes habe ich die Ehre zu verkünden, dass mein Blog jetzt 14.000 Aufrufe geknackt hat. Ein großes Danke an all meine fleißigen Leser! Ihr gebt mir die Motivation, weiter zu machen und nicht aufzugeben!

Zweitens: Ich habe jetzt seit genau zwei Wochen mein neues Korsett.
Am Dienstag, dem 5. März, hatte ich um 15 Uhr den Termin bei cctec, also holte mich mein Vater von der Schule ab und wir fuhren nach Berlin-Tegel.
Ich erwartete einen Keller und hin- und herhetzende Orthopädietechniker in weißen Kitteln wie in unserem Krankenhaus. Doch meine Vermutung bestätigte sich nicht. Beim Hereinkommen ertönte ein Läuten, und auf der Anmeldungs-Theke standen Schüsseln mit Gummibärchen und Schokolade. Die Korsettfirma lag im Erdgeschoss und erinnerte mich von der Einrichtung her eher an ein Friseursalon oder Kosmetikstudio als an eine Orthopädie.
Nachdem wir registriert wurden, ließen mein Vater und ich uns auf den gepolsterten Sesseln im Wartebereich nieder und schnappten uns beide eine der Zeitschriften, die dort auf den Tischchen verstreut lagen. Die Atmosphäre war sehr entspannt, anders als im Helios Klinikum, wo es immer ziemlich gehetzt zugeht. Die Wände waren statt hellgelb in den Farben orange-lila-weiß gestrichen, an einer hing ein Fernsehbildschirm, auf dem die aktuellen Charts und die dazugehörigen Musikvideos abgespielt wurden.

Schließlich wurde ich von einer netten blonden Frau aufgerufen, die mir ziemlich bekannt vorkam, meinem Vater ebenfalls. Wie sich herausstellte, hatte sie früher in der Orthopädie vom Helios gearbeitet und war jetzt nach Tegel gewechselt. Sie führte uns an einer Graffiti-Attrappe vorbei und einen kleinen Gang entlang in einen Raum, in dem der Rohling meines neuen Korsetts liegen sollte. Und... er hatte kein Zebramuster, sondern war weiß wie mein letztes. Das Muster hatte es wohl nicht mehr gegeben. Ich war leicht enttäuscht, denn ich hatte mir schon einen geeigneten Namen für meinen neuen Panzer überlegt: Marty, wie das Zebra von Madagascar. Dazu muss man sagen, dass ein weißes Korsett jedoch eindeutig mehr Vorteile hat, da es nicht so unter Kleidung durchscheint wie ein dunkles oder farbiges, auch wenn es ganz witzig gewesen wäre. Von daher war es wohl besser so und der Frust bei mir nicht allzu groß. Bei meinen Freundinnen jedoch umso mehr, die sich alle schon auf meinen neuen, schwarz-weißen Begleiter gefreut hatten. Wir nennen es jetzt scherzhafter Weise "Marty ohne Streifen", "Albinozebra" oder "Snow White, die Zweite".

Die Korsettbäuerin... äh -bauerin ;) half mir beim Anziehen des Rohlings. Er war ziemlich groß und hatte weder Schnallen noch Pelotten. Auf ihm klebte lediglich ein Tesastreifen, auf dem mein Name (leider etwas falsch) geschrieben stand. Nachdem ich es angezogen hatte, sollte ich mich damit auf die Liege dort legen. Ich wurde erstmal zugetaped bzw das Korsett mit großen Klebestreifen so befestigt, dass die beiden Seiten überlappten. Ich versuche mühsam aufzustehen und das Plastik drückte  unangenehm, vor allem auf ein Schulterblatt. Nachdem die Stellen etwas geändert worden waren und ich den Rohling erneut anprobierte, fragte uns die Frau, während sie erneut einige Stellen am Korsett anstrich, ob wir Röntgenbilder mithätten. Denn sie könnte auf dem Computer leider keine finden. Wir hatten den Ordner nicht dabei, in dem wir meine ganzen Skoliose-Papiere aufbewahrten, also zeigte ich ihr und noch einem anderen Orthopädietechniker mit meinem Handy die Aufnahmen über meinen Blog. Während den Wartezeiten, in denen mein Korsett mehrmals geändert wurde, gingen mein Vater und ich nebenan im Kaufhaus etwas essen oder saßen im Warteraum, wo uns etwas zu trinken angeboten wurde und wir uns mit der Frau an der Anmeldung unterhielten. Sie erzählte uns, dass sie versucht hätten den Raum möglichst für Jugendliche so zu gestalten, dass sie sich willkommen fühlen. Denn die Nachricht ein Korsett tragen zu müssen ist für die meisten, vor allem Mädchen, erstmal ein Schock.

Als es nun schließlich so weit war und alle nötigen Änderungen vollbracht waren, nahm ich mein altes Korsett in die eine und in die andere Hand meine neuen Korsettunterhemden (ich hatte zwei bekommen, da bei der Anprobe während des Übers-Korsett-Ziehens eins zerrissen war, super Quali halt). Ich hatte außerdem wagemutig mein neues "Korsi" an und es war noch sehr ungewohnt, aber ich überlebte die zwanzig-minütige Autofahrt unversehrt. Es war tatsächlich viel leichter, sich an das Korsett zu gewöhnen, wenn man davor schon eins gehabt hatte. Ich konnte auch gleich darin schlafen, allerdings wachte ich am Morgen oft mit geöffneten Schnallen auf, da ich sie in der Nacht wohl unbewusst aufgemacht hatte.

Auf mein neues Korsett folgte ca. eine Woche später mein Geburtstag, also war es wiedermal Zeit, sich etwas vorzunehmen. Die Vorsätze, die meine Skoliose betreffen: jeden Tag mindestens zehn Minuten lang meine Übungen machen und "Marty" fleißig tragen. Der erste Vorsatz will mir leider nicht so gelingen, aber trotzdem werde ich alles geben, um mit meinem voraussichtlich letzten Korsett nochmal das Beste rauszuholen!

Eure Hannah


Marty alias Snow White II



Montag, 11. Februar 2013

Mein vierter Kontrolltermin


Heute war der erste Schultag nach den Winterferien, Rosenmontag und meine halbjährige Kontrolle im Krankenhaus.

Ich konnte eine Stunde länger als schlafen als sonst, denn wir hatten den Termin um 09:30 Uhr. Aufgrund des Verkehrs kamen wir jedoch etwas später am Emil-von-Behring-Krankenhaus an. Wir warteten ca. eine halbe Stunde, in der ich Chemie lernte, was ich die ganzen Ferien vernachlässigt hatte. Dann wurde ich aufgerufen von Dr. Wilke, dem Arzt im Helios. Als erstes maß er, wie viel ich seit dem letzten Mal gewachsen war und dann mit dem Skolimeter den Winkel vom Rippenbuckel (oben) und dem Lendenwulst (unten). Ich bin seit einem halben Jahr nicht mehr wirklich gewachsen, mein Rippenbuckel beträgt wie letztes Mal 7-8° und unten hat es sich anscheinend etwas verschlechtert, 3-4°. 
Das ist allerdings nicht weiterhin dramatisch, da mein Korsett einfach nicht mehr gut korrigiert. Außerdem seien das Becken und meine Haltung nicht so, wie er es wolle, was ebenfalls am Korsett liegt. Auf die Frage, wie lange es noch dauert, bis mein neues fertig sein wird, antwortete Dr. Wilke, dass wir das Herrn Nahr, meinen Korsettbauer, fragen sollten, da er bei cctec (dem Korsetthersteller) arbeitet und deswegen nur er uns das sagen könnte. Dieser wäre allerdings erst wieder in 30-40 Minuten im Hause. Also gingen wir gegen halb elf nach unten in die Werkstatt und meldeten uns an, um kurz mit Herrn Nahr zu sprechen, was wir dann auch taten. Mein Korsett musste nicht noch einmal geändert werden, da ich ja schon vor ein paar Wochen mit Nati bei ihm war (siehe letzter Doppelpost) und es sowieso nicht mehr viel bringen würde. 

Mein neues Korsi wird wohl in zwei bis drei Wochen fertig sein. Um es so früh wie möglich zu bekommen, fahren mein Vater und ich direkt nach Tegel, zu cctec, und holen es da ab. Meinen nächsten Kontrolltermin habe ich im Juni, am letzten Schultag, wo ich mit dem neuen Korsett geröntgt werde. Ich bin schon gespannt, was rauskommt!

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Letzten Montag hatte ich außerdem einen Termin bei meiner Orthopädin. Sie sagte, genau wie meine Physiotherapeutin, mein Rücken sehe wesentlich besser aus, das sehe man vor allem im Sitzen. Und sie war auch der eindeutigen Meinung, dass mein Korsett jetzt zu klein ist. Wir setzten außerdem noch das letzte Kreuzchen in den Kurantrag und jetzt liegt er im Briefkasten. 

Drückt mir sämtliche Daumen und Zehen, dass er für die Sommerferien genehmigt wird! 

Eure Hannah

Montag, 4. Februar 2013

Winterferien, Frühlingsgefühle und coole Kirchen

Die letzten Schneereste sind weggetaut, die Temperaturen klettern endlich über 10°C und ab und zu scheint zwischen der Wolkendecke auch mal die Sonne vom blauen Himmel. Klingt wie der tägliche Wetterbericht, ist aber eine Einleitung des ersten Eintrags von diesem Jahr, mal abgesehen von dem großen Doppelpost über die gemeinsame Korsett-Kontrolle von Nati und mir. 
Also: Euch allen ein gesundes, erfolgreiches 2013! Ich hoffe, ihr hattet einen guten Rutsch. Wir Berliner dürfen jetzt noch eine Woche Winterferien genießen, danach steht bei mir noch eine Woche Schule, darauf zwei Wochen Betriebspraktikum an. Und ich habe schon einiges unternommen...

Am Samstag nach den Halbjahreszeugnissen kam Nati zu mir nach Berlin. Nachdem ich sie vom S-Bahnhof abgeholt hatte,  versuchten wir uns zu Hause erneut am Videodrehen für unseren Youtube-Kanal, was leider nicht so erfolgreich war. Mein dreizehnjähriger Bruder half uns zwar mit den Einstellungen des Camcorders, den ich zum zwölften Geburtstag bekommen und so gut wie nie benutzt habe, dafür gab er aber dauernd während des Drehens immer irgendwelche Kommentare ab und die Lichtverhältnisse waren auch nicht die besten. Deshalb entschieden wir uns dafür, lieber an unserem Vorstellungsvideo zu arbeiten, das ich auf dem Laptop hatte. Wir hatten viel Spaß dabei und machten, wie man uns kennt, eine Menge verrückter Fotos. :D

 Da meine Eltern an dem Wochenende beide unüblicherweise nicht zu Hause waren, gingen wir zu meinen Großeltern Abend essen, die nur eine Straße weiter wohnen. Es wurde ein schöner Abend und Nati und ich gingen danach wieder nach Hause, wo wir weiter arbeiteten. Jap, Samstagabend, sturmfrei und keine Party machen - vorbildlich, nicht wahr? Gegen zwölf quatschten wir noch ein bisschen, dann schliefen wir irgendwann ein, denn am nächsten Tag war Kirche angesagt. Bestimmt denkt ihr jetzt an leere Reihen, Leute die lustlos "Aaaameeen" leiern und  einen grauhaarigen alten Pastor, der die ganze Zeit mit seiner einschläfernden Stimme irgendetwas von Jesus und dem Weltfrieden redet und dass wir alle Sünder sind. Nun ja, meine Kirche ist etwas anders. Um es vorneweg zu nehmen: Es ist keine Sekte. 

Der Gottesdienst findet in einem Rittersportsaal des CinemaxX-Kinos am Potsdamer Platz statt. Wahrscheinlich fragt ihr euch: Hä? Warum im Kino? Also kurz zur Erklärung: Es gibt die Landeskirchen, das heißt, sie werden vom Staat bezahlt für ihren Job. Sie sind in "richtigen" Kirchen untergebracht und leider ist es meistens tatsächlich so, wie oben beschrieben (leere Reihen, leiernde Leute etc.). Diese Kirchen sterben langsam aus, die Jugendlichen kommen meistens nur noch dahin, weil sie Konfirmation machen, die Gottesdienste sind eher von älteren Leuten besucht. Dann gibt es noch die Freikirchen. Sie sind hauptsächlich protestantisch bzw evangelisch und leben allein von den Spenden. Demnach müssen sie auch viel zu bieten haben, das heißt: Lebendigen Lobpreis (Liedersingen), eine mitreißende Predigt und eine gute Gemeinschaft. Außerdem müssen sie sich selber eine Location suchen und dafür Miete zahlen, ebenfalls von den Spendengeldern. Und in diesem Falle ist es ein Kinosaal.

BICC (Berlin International Community Church)

Die Leinwand dient dazu, die Songtexte und Bibelverse an die Wand zu werfen und kurze Filme zu zeigen. Vorne sind das Schlagzeug, die Gitarren, ein Keyboard, Verstärker und Mikros für die Solosänger und den Chor aufgestellt, dem "All Nations Choir", in dem alle möglichen Länder vetreten sind. Denn meine Gemeinde ist international, das heißt der Gottesdienst ist auf englisch, ebenso der Lobpreis, allerdings singen wir manchmal auch deutsche Lieder. Und die Lieder sind hauptsächlich moderner, also beispielsweise von Bands wie Hillsong, Jesus Culture und Israel Houghton, an Weihnachten darf's natürlich auch mal klassisch werden. Man bekommt richtig Lust mitzusingen, die Songs sind meistens einfach gestrickt. Es ist die erste Gemeinde, in der ich mich als Jugendliche wirklich angesprochen fühle. Die Predigt hält so gut wie immer der Pastor Steve Mack, der steht "Aaaameeen" "Eymen" sagt - englisch halt. :D Er und seine Familie sind vor acht Jahren aus Amerika nach Berlin gekommen und haben diese Gemeinde gegründet. 

In die Kirche bin ich eine Zeit lang nur mit meiner Familie gegangen, doch irgendwann nahm ich mal meine Freundin Lil, die in meine Klasse geht, zur BICC mit. Ihr hat es auch total gefallen, seitdem gehen wir immer zusammen dahin. Wir treffen uns meistens schon früher, und beim Kaffetrinken vor dem Kinosaal lernt man eine Menge netter Leute kennen, die einen da einfach anquatschen. Darunter waren schon Türsteher, Leute, die dort mitwirken oder einfach Menschen, die neu oder schon länger in der Gemeinde sind. Und seit kurzer Zeit nehmen Lil und ich auch unsere anderen Freundinnen mit in die Kirche, die schon alle ganz gespannt sind. Seitdem wir zusammen zur BICC gehen, sind Lil und ich immer mehr zusammengewachsen, und wir helfen uns in allen möglichen Lebenslagen und sind füreinander da, wenn es uns mal nicht so gut geht. Der Glaube hilft mir auch sehr im Leben, vor allem meine Skoliose zu überstehen und nicht die Hoffnung aufzugeben, wenn mal alles schief läuft. 
So, und diesen Sonntag ging's dann zur Kirche mit meiner Korsi- und meiner Kummer-Church-Sis, außerdem kam noch überraschenderweise unsere Freundin Dani, die in unsere Klasse geht, und ihre französische Austausch-Schülerin. 
Nati hat es ebenfalls hat es sehr gut gefallen, was mich freut!