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Freitag, 5. Juli 2013

SOBI 2013 - Eine unvergessliche Kur


Hallo ihr Lieben,


nach einer langen Blogging-Pause kommt jetzt endlich ein ausführlicher Bericht über meine vierwöchige Kur in Bad Sobernheim, auch Sobi genannt. Ich war dort vom 05.06. bis zum 03.07. und habe sehr viel erlebt, durfte tolle Leute kennenlernen, mit denen ich viel unternommen habe und die mir unglaublich ans Herz gewachsen sind. Mit ihnen habe ich die 6-stündige Therapiezeit jeden Tag, die freien Wochenenden und das Heimweh überstanden, das mich natürlich auch mal geplagt hat, denn ich war noch nie so lange allein von zu Hause weg. Es waren vier unvergessliche Wochen, und ich bereue nicht, dort hingefahren zu sein, auch wenn anfangs nicht alles ganz nach Plan gelaufen ist.
Um euch einen genaueren Einblick in meine Erlebnisse dort zu geben, fange ich mal ganz von vorne an...

Die Vorgeschichte
Ursprünglich wollten Natalia, meine KorsiSis, und ich zusammen auf Kur nach Sobi fahren. Allerdings teilte der Rententräger uns auf Nachfrage hin am Telefon mit, dass sie nicht mehr mit Bad Sobernheim kooperieren würden, also musste es wohl nach Bad Salzungen gehen, wo sich eine Tochterklinik von Sobi befindet, die sogar näher an Berlin liegt. Nachdem ich meinen Antrag verschickt hatte, bekam ich Post zurück, die allerdings Papiere zum Ausfüllen für Bad Elster enthielt, also eine ganz andere Klinik. Dort soll es auch sehr schön sein, aber laut einiger Erfahrungsberichte ist die Kur dort nicht so effektiv wie in den anderen beiden, welche sich ausschließlich auf Skoliose spezialisieren. Wir schickten also einen Umstellungsantrag zurück, in dem wir der Zuteilung widersprachen und eine Kur in Bad Salzungen beantragten. Kurze Zeit später bekam ich die Antwort und siehe da: Mir wurde mir mitgeteilt, dass ein anderer Kurort für mich herausgesucht worden wäre - Bad Sobernheim! Also: Immer nachhaken, es lohnt sich! Ich war überglücklich, doch stellte sich bald heraus, dass Natalia an dem Tag meiner geplanten Anreise Sobi bereits wieder verlassen sollte, wir verpassten uns demnach haarscharf. Das war zwar sehr ärgerlich, aber meine Kur zu verlegen ergab wenig Sinn, da in den Wochen davor noch eine Menge in der Schule anstand, also beließen wir es dabei.


Die Anreise
Aus familiären Gründen musste meine Oma am 03.06., also dem Montag vor der Kur, zufälligerweise nach Frankfurt, wo meine Cousine Flo und ihre Familie leben. Also blieb ich dort zwei Tage und am Mittwoch fuhr ich mit meiner Oma nach Bad Sobernheim. Es gab einige Komplikationen, denn wir verpassten unseren Zug, da uns das falsche Gleis gesagt worden war, und so dauerte unsere Fahrt dahin noch eine Stunde länger als geplant. Nati und ich schrieben viel und stellten uns vor, wie wir mit unseren Zügen aneinander vorbeifahren würden. Außerdem machte sie mir Mut und konnte mir viele Fragen beantworten, was mich etwas ruhiger stimmte. Als wir dann schließlich in der Regionalbahn nach Bad Sobernheim saßen und unserem Ziel immer näher kamen, wuchs meine Aufregung jedoch gleichzeitig immer mehr, und ständig kreisten Bedenken in meinem Kopf: Was ist, wenn ich keine Freunde finde? Und wenn es da doch nicht so toll ist, wie alle sagen? Werde ich viel Heimweh haben? Werden mich meine Freunde zu Hause vergessen, weil ich so lange weg bin? Und was ist, wenn mir die Kur am Ende gar nichts bringt? . . .

Am Bahnhof in Bad Sobernheim wartete bereits ein kleiner Kombi, der uns zur Klinik bringen sollte. Auf der Fahrt dahin wurde mir schnell klar, dass Bad Sobernheim ein ziemliches Kaff war und der nächste Supermarkt zu Fuß wohl eine halbe Stunde entfernt lag. Wir fuhren erst durchs Dorf und dann bergauf, die Straßenseiten gesäumt von Bäumen, und es ging über eine Brücke, unter der ein rauschender Fluss lag. Klingt ziemlich idyllisch, war es auch. Als es dann wieder "bergab" ging, bog der Fahrer nach links ein und im Tal (wenn man das so nennen kann) lag dann die Klinik, umgeben von grünen Hügeln. 
An der Rezeption wurden mir die Grundinformationen erklärt, und ich bekam noch einige Papiere und Dazugehöriges. Außerdem kauften wir schon mal Wlan (10 Stunden saftige 10 Euro), weil ich schon von anderen Leuten wusste, dass Bad Sobernheim ein Funkloch ist, da es in einem Naturschutzgebiet liegt.

Als ich mein Zimmer bezog, war noch niemand da. Es lag im ersten Obergeschoss und führte auf eine große Terrasse, die mehrere Zimmer des Stockwerks miteinander verband. Mein Handy zeigte im Zimmer kein Netz an, aber draußen hatte ich etwas Empfang. Daraufhin gingen meine Oma und ich noch kurz zum Mittagessen im Speisesaal, der schon ziemlich leer war, dann musste sie auch schon wieder los, damit sie ihren Zug nicht verpasste. Jetzt war ich auf mich allein gestellt. Ich packte schon mal etwas meine Koffer aus, und nach einiger Zeit durfte ich meine Zimmernachbarin Marike kennenlernen, mit der ich mich auf Anhieb gut verstand. Der restliche Tag bestand größtenteils aus Untersuchungen, beim Abendessen machte ich dann noch mit mehr netter Mädels Bekanntschaft, die am selben Tag wie ich angereist waren.


Meine Zeit in Sobi
Marikes und mein Zimmer wurde dann schließlich der Treffpunkt für unsere stets wachsende Truppe. Je mehr wir uns kennenlernten, desto lustiger war es und desto unzertrennlicher wurden wir. Fast alle stammten aus unterschiedlichen Ecken Deutschlands und jeder hatte demnach seine eigenen Sprechgewohnheiten, welche auf uns andere auch etwas abfärbten. Meine Freundin Leia aus Baden-Württemberg brachte mir beispielsweise einige schwäbische Begriffe bei, die echt zum Totlachen sind. Unser aller Lieblingswort wurde "Lumbe Bubbelle", was jemanden bezeichnet, der etwas ungepflegt und gammelig herumläuft. Auf uns traf das ziemlich gut zu, da wir in der Klinik aufgrund der vielen Therapie meistens in Jogginghosen zu sehen waren und nie wirklich Lust zum Duschen hatten (gell, Alina?). :D
Ansonsten unternahmen wir immer viel, wenn wir gerade keine Therapiezeit hatten. In den ersten Tagen gingen wir abends meist im hauseigenen Hallenbad schwimmen und spielten mit den wenigen Jungs der Klinik Wasservolleyball, gingen Eis essen beim Italiener am Bahnhof oder bestellten uns Pizza, schwammen mit Luftmatratze und Wasserring auf dem Fluss, cruisten mit einem Einkaufswagen umher, wanderten beim Barfußpfad durch Matsch und Lehm, planschten im Freibad, machten die Kirmes im Dorf unsicher und veranstalteten rasante Übernachtungsaktionen. Am Wochenende fuhren wir nach Mainz, Frankfurt und Bad Kreuznach, schlenderten die Shoppingstraßen entlang und genossen gutes Netz und vollen Empfang. Abends saßen wir gerne zusammen auf der großen Terrasse, wo wir noch lange quatschten und lachten, bis dann schließlich um 21:30 Uhr die Durchsage kam, dass jetzt für alle unter 18-Jährigen Nachtruhe sei, was hieß: Die Rollos runterlassen, Korsetts anziehen und möglichst still sein. Manchmal kam auch nochmal die Nachtschwester vorbei, um nach dem Rechten zu sehen und der Nachtwächter machte auch ab und zu Terror, wenn zu laut gelacht wurde oder er mehrere Leute auf einem Zimmer vermutete, was strengstens verboten war. Die Abende im eigenen Zimmer verbrachten Marike und ich damit, ihren "Fresskorb" aufzubrauchen und Filme auf ihrem Laptop zu schauen.

Als dann das Ende der dritten Woche anbrach, gingen wir alle zusammen nochmal essen, um unsere Freunde, die schon die Woche abreisten, zu verabschieden. Zwischen uns hatte es zwar auch mal kleine Kriseleien gegeben, aber wir waren uns alle gegenseitig sehr ans Herz gewachsen und es flossen viele Tränen, denn die Abgereisten hinterließen eine große Lücke in unserer Gruppe. Ich bekam für die letzte Woche eine neue Zimmernachbarin, mit der ich mich auch gut verstand, aber Marike fehlte mir, sowie das Föhngeräusch, das bei uns Dauerhintergrundkulisse war. :D

Am letzten Wochenende kamen mich Flo, ihre Eltern und ihre kleine Schwester besuchen und wir machten uns einen schönen Tag. Mit ihnen kam wieder das gute Wetter, das in den letzten Tagen ausgeblieben war. Am Dienstagabend veranstalteten wir "Reste fressen" auf dem Balkon und feierten unsere Ergebnisse, die bei der Abschlussuntersuchung herausgekommen waren. Im Stehen war ich 1cm gewachsen, im Sitzen 1,6cm, mein Gewicht hatte ich gehalten (trotz der vielen Chips und Schokolade, ein paar Kilos mehr hätten mir Bohnenstange auch mal gutgetan). ;) Meine Skoliometerwerte, also die Rotation der verdrehten Wirbel, waren oben auf 5° gleichgeblieben, aber mein Hauptbogen hatte sich von 12° auf 8° verbessert, was mein Arzt sehr lobte.
Am Mittwochmorgen war es dann schließlich so weit: Es ging nach Hause. Die vier Wochen waren wie im Fluge vergangen und der Abschied fiel mir sehr schwer. Wir versprachen uns alle gegenseitig, dass wir uns wiedersehen würden, wenn es ginge, noch dieses Jahr. Das regnerische Wetter passte zu unserer Stimmung, Tränen flossen wie Wasserfälle und wir drückten uns alle nochmal ganz fest, bevor eine nach der anderen ins Auto zu ihrer Familie stieg und in ihre Heimat zurückfuhr. Mir stand eine 6 1/2 stündige Zugfahrt nach Berlin mit Umsteigen bevor, aber dennoch freute ich mich, wahrscheinlich wie jede von uns, schon auf zu Hause, das gute Essen von Mutti und das eigene Bett. :D 


Julia, Hannah (ich), Vivi, Leia, Alina und Sandrine (v.l.)


Jetzt bin ich seit zwei Tagen wieder im trauten Heim und sehne mich schon sehr nach meinen Mädels, höre immer wieder unser "Sobi-Lied" und denke an die schöne Zeit zurück. Echt krass, wie sehr man Leute vermissen kann, die man erst seit vier Wochen kennt...
Wenn man normalerweise in ein neues Umfeld kommt, gibt es erstmal viel zu erklären über die Skoliose und das Korsett und man sorgt sich darum, wie die Leute darauf reagieren. Doch dort war es einfach komplett anders: Du kommst dahin und wirst sofort so aufgenommen, wie du bist, steckst mehrere Wochen rund um die Uhr mit denselben Leuten unter einem Dach, denen es genau so geht wie dir und mit denen du "Skoliose-Insider" reißen und dich austauschen kannst. Du musst nicht stundenlang erzählen, warum du so ein seltsames Plastikding trägst oder schon als Jugendlicher Rückenprobleme hast. Ich hatte nirgendwo sonst das Gefühl, so sehr akzeptiert zu werden wie in Sobi, und bin einfach unglaublich froh, dass ich dort war!

Mir fällt gerade auf, dass ich genau heute vor zwei Jahren in das Krankenhaus zur Eingewöhnung an mein erstes Korsetts kam. Echt unglaublich, wenn man immer wieder merkt, wie schnell die Zeit vergeht!
Ach ja, und noch was: Natalia und ich haben es übrigens trotzdem geschafft, uns zusammen zu verewigen. Zwei Freundinnen wohnten nämlich in ihrem ehemaligen Zimmer, an dessen Pinnwand noch Natalias Name stand und wann sie da gewesen war. Ich ergänzte noch Einiges und fertig das Ganze. :D
Nati und ich wollen auf jeden Fall auch nochmal zusammen nach Sobi.
Drückt uns die Daumen, dass es dann nächstes Mal klappt!



Kommentare:

  1. Du könntest ein Buch schreiben Hannah!! :D
    Ich vermiss euch auch soo sehr :(
    & hoffe das wir uns garantiert bald wieder sehen :D
    Dein Blog ist echt toll geschrieben !!!
    Hab dich lieb <3
    Deine Fiffi ;**

    PS:du hast unser Lied vergessen ;)

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    1. Ui vielen Dank :* Hab dich auch sehr lieb!♥ Wir treffen uns mal in Berlin, ne? :D

      P.S.: Lied folgt noch!

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  2. Hallo Hannah!

    Dein Blog ist echt klasse geschrieben, weiter so!!!

    Liebe Grüße, Kathrin
    (deine Therapeutin aus der Schroth-Fortbildung c; )

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    1. Hi Kathrin :D Vielen lieben Dank, das freut mich sehr! Werde hoffentlich nächstes Jahr deinen Tipp anwenden können, so dass Nati und ich zusammen nach Sobi fahren können ;D
      Ganz liebe Grüße, Hannah

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