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Montag, 30. März 2015

#throwBACKBRACE: Ein Krankenhaus-Besuch der etwas anderen Art


Hallo ihr Lieben,

lang ist's her! Und dabei gibt es so Einiges zu berichten. . .

Hannah, Sophie & Nati
Vor ein paar Wochen hatten Nati und ich nämlich die Ehre, das Helios Klinikum erneut zu besuchen. Jedoch ging es dabei nicht um uns, da wir in Tegel und Steglitz bereits bestens versorgt worden waren, sondern um eine Freundin von Nati, die sie auf ihrer Kur in Bad Elster kennengelernt hatte. Ihr Name ist Sophie, und sie sollte für ein paar Tage zur Gewöhnung an ihr erstes Korsett im Emil-von-Behring-Krankenhaus verweilen. Nati besuchte sie in dieser Zeit fast täglich und ich kam auch einmal als Begleitung mit.

Wir trafen Sophie im Warteraum der Kinder- und Jugendstation, wo sie uns freudig begrüßte. Dabei lernten wir auch einige andere Mädchen kennen, die ebenfalls erst frische Korsett-Trägerinnen geworden waren und mehr oder weniger gut damit klarkamen. Als sich herausstellte, dass Nati und ich bereits alte Hasen auf dem Gebiet sind, wurde ihr Interesse sofort geweckt und sie stellten uns zahlreiche erstaunte Fragen: "Wie lange tragt ihr euer Korsett?" "Was, Nati hat es schon 9 Jahre?!" "Oh, man bekommt mehrere?" "Tut es immer noch weh?" usw. 

Und es kam, wie es kommen musste: Unsere geheime Identität als die *Trommelwirbel*. . . "KorsiSisters" wurde enthüllt. :D Man sah ihnen deutlich die Überraschung an, dass wir Videos rund um das Thema Skoliose drehen und sie auf Youtube veröffentlichen, doch die Überraschung schlug schnell in Neugierde und Interesse um. 
Schließlich wurde Sophie aufgerufen und wir begleiteten sie in den kleinen Raum, in dem sie bereits von Dr. Wilke und einer jungen Frau erwartet wurde, die mir auch vor einiger Zeit ein Tape angeklebt hatte (hier kommt ihr nochmal zum Post). Sie stellte sich als Physiotherapeutin heraus und wirkte offen und freundlich. Das Wiedersehen mit unserem Doc war ebenfalls sehr nett, inzwischen sind wir schon so etwas wie alte Bekannte geworden. :D

Nachdem dann Sophies Korsett und ihr Rücken begutachtet worden waren, machten wir uns mit ihren Freundinnen auf den Weg zu deren Zimmer. Alte Erinnerungen kamen auf, als wir erneut die Station betraten, in der auch Nati und ich vor einigen Jahren unsere ersten Tage mit Korsett verbracht hatten. Mir war wieder genau so wie zumute wie zu dem Zeitpunkt, als wir nach unserem  Aufenthalt dort das erste Mal wieder die Gänge von Station 15 betreten hatten. Vor allem für Nati war dies ein sehr überwältigendes Gefühl gewesen, da es bei ihr schon viel weiter zurücklag als bei mir.
Lustigerweise bewohnte Sophie genau den gleichen Raum wie ich damals, ebenso schlief sie im gleichen Bett. Alles war fast so wie früher; sogar der Zettel mit den vorgegebenen Korsett-Tragezeiten hing dort nach wie vor, allerdings am Schrank anstatt an der Wand. Vielleicht erinnern sich einige von euch ja noch an den Eintrag, in dem ich über meinen Krankenhausaufenthalt 2011 berichtet habe. 

Während ich in etwas Nostalgie versunken den Raum begutachtete, betrat die junge Therapeutin das Zimmer, um die Korsett-Trägerinnen abzuholen. Wir machten nun persönlicher mit ihr Bekanntschaft und sie stellte sich uns als Saskia vor. Als sie von den "KorsiSisters" erfuhr und was Nati und ich sonst noch alles so veranstalteten, war sie sehr begeistert und motivierte uns, dies auf jeden Fall noch lange aufrechtzuerhalten, da wir damit sicher vielen jungen Menschen Mut machen würden.


Nati chillt in Sophies (und meinem ehemaligen) Bett :D


Wir durften daraufhin bei der Therapiestunde zusehen: Es wurde viel gelacht, da die Mädchen einige heikle Balance-Akte mit Korsett oder andere Fitness-ähliche Übungen meistern sollten, die Nati und ich am liebsten auch ausprobiert hätten. :D Ab und zu grinsten sie uns an, und es war schön zu sehen, wie viel Spaß es ihnen machte, trotz dem Plastikteil, welches sie offensichtlich einschränkte. 

Nach der Übungszeit unterhielten wir uns noch länger mit Saskia und sie erwies sich als eine sehr engagierte Person. Bewundernswert fanden wir, dass sie selbst ein Korsett trug; allerdings nicht weil sie es brauchte, sondern tatsächlich, um die Situation der Patienten nachempfinden zu können. Sie eröffnete uns außerdem ihre Pläne und Träume, die sie gerne in Zukunft anstreben wollte, unter anderem eine Art Fitness-Studio für Skoliotiker. Wir beide sind davon überzeugt, dass Saskia dies definitiv meistern wird, da sie eine sehr dynamische, junge Frau mit Weitblick ist. Sie gibt sich nicht bequem mit dem zufrieden, was ihr vorgesetzt wird, sondern denkt weiter, entwickelt daraus neue Ideen und wird so sicher noch viel in ihrem Leben erreichen. Falls ihr also in etwa fünf Jahren in Deutschland eine Einrichtung namens "Scolifit" vorfinden solltet, schaut doch mal vorbei, ob die KorsiSisters da nicht bereits als Personal Trainer agieren. :P

Zurück auf der Station waren die Mädchen nun umso gespannter auf unsere Youtube-Videos, die wir ihnen mit gemischten Gefühlen zeigten. Ihre Reaktionen waren jedoch sehr positiv, sodass Nati und mir warm ums Herz wurde, da wir ihnen an diesem Tag ein Lächeln aufs Gesicht hatten zaubern können.
Denn wir wussten beide nur zu gut, wie es war, damals fast alleine mit seinem Korsett vor sich hin zu vegetieren und niemanden um sich zu haben, der es vollständig nachempfinden oder einem Tipps geben konnte - man wurde sozusagen ins kalte Wasser geschmissen. 
Nati und ich hatten schon länger vor gehabt, einfach so die Skoliose-Patienten im Helios zu besuchen, sie anzusprechen und zu ermutigen, und hiermit hatte sich die ideale Gelegenheit dazu ergeben. 


Kleines Stalkerbild :P

Dieser erlebnisreiche Tag zeigte uns, wie sich manche Dinge im Laufe der Zeit ändern, viele aber auch beim Alten bleiben. Zusätzlich bestärkte er uns beide nur noch mehr in dem, was wir tun. Denn damals hätten wir uns auch jemanden gewünscht, der uns gleich zu Anfang viele Sorgen nimmt; jemanden, mit dem wir gemeinsam über alles lachen können, anstatt daran zu verzweifeln.
Wir hoffen aus unseren Erfahrungen noch viele weitere Leute dort draußen ermutigen zu können, egal ob jung oder alt, und ihnen das Gefühl zu geben, dass sie nicht alleine mit ihrer Skoliose oder dem Korsett sind, sondern dass es jemanden gibt, der sie versteht und gewissermaßen auf diesen Lebensabschnitt vorbereitet.

Außerdem gibt es noch eine gute Neuigkeit: Wir als KorsiSisters haben nun seit Beginn des Jahres geschafft, alle zwei Wochen ein Video hochzuladen und dadurch noch mehr Menschen zu erreichen. In letzter Zeit gab es unglaublich viele gute Resonanzen zu unseren Videos, was uns beide sehr glücklich macht.
Hier ist nochmal unser Channel, für alle, die es interessiert: https://www.youtube.com/user/KorsiSisters.


Nati und ich freuen uns, wenn ihr vorbeischaut!

Eure Hannah







Kommentare:

  1. Hallo Hannah :)
    Als ich deinen Blog vor ca. anderthalb Jahren, einige Wochen nach meiner Diagnose, gefunden habe, habe ich erst einmal alle deine Blogposts durchgelesen. Damals war das Thema Skoliose noch relativ neu für mich (ich kannte es nur so entfernt von einer Freundin, musste dann aber irgendwie selber damit klarkommen) und du hast mir sehr geholfen. Dann habe ich deinen Blog aus den Augen verloren und ihn vor ein paar Monaten durch Facebook wiedergefunden. Seitdem lese ich hier wieder regelmäßig und möchte dir und Nati einfach danke sagen :) Dafür, dass ihr eure Geschichten mit uns teilt, dass ihr anderen das Gefühl gebt, nicht alleine mit der Skoliose zu sein und dass du soo wunderschön schreibst :)
    LG, Mini

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    1. Hallo liebe Mini,

      ich danke dir von Herzem, dass du dir die Zeit genommen hast, uns zu schreiben! Nati und ich fühlen uns dadurch sehr gewertschätzt und es macht uns unfassbar glücklich, deine Worte zu lesen! :) Wir freuen uns über jeden einzelnen Menschen, dem wir Mut machen oder helfen können und du motivierst uns, noch lange weiter damit zu machen. Vielen Dank dafür!

      Deine Hannah

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